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Alles muss absolut sein! Ist EFT ein Wundermittel?

Manchmal ärgere ich mich. Über die Vorstellung, dass alles absolut sein muss. Dass Dinge nur „richtig“ oder „falsch“ sein können. Dass Methoden sich gegenseitig ausschliessen, anstatt nebeneinander existieren zu dürfen. Im Internet findet man für jede Meinung Zustimmung. Man landet schnell in einer Blase, die sich selbst bestätigt und in der nur das gilt, was man ohnehin schon glaubt. Wer sich wirklich informieren will, wird schnell überwältigt: Zu jedem Thema, zu jeder Beschwerde gibt es widersprüchliche Ratschläge. Und irgendwann fragt man sich: Was macht eigentlich noch Sinn? Wie Goethe schon sagte: „Mit dem Wissen wächst der Zweifel.“

Zwischen Wunderglauben und Wissenschaft in der Welt der Heilmethoden gibt es viele Richtungen: Hypnose, Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Meditation, Körperarbeit, jede Methode hat ihre Geschichten von Erfolg und Misserfolg. Und immer wieder begegnet man der Haltung: „Das ist die wahre Lösung.“ EFT, die Emotional Freedom Technique, ist für mich ein gutes Beispiel. Ich nutze und vermittle sie, und ja, ich bin überzeugt, dass sie vielen Menschen helfen kann. Aber ich glaube nicht daran, sie als Allheilmittel zu verkaufen.

Was ist EFT eigentlich?

EFT kombiniert Elemente aus der Akupressur (Meridianlehre), Kinesiologie, NLP und klassischen psychotherapeutischen Ansätzen wie Exposition oder kognitiver Umstrukturierung.

EFT wurde in den 1990er Jahren von Gary Craig, einem amerikanischen Ingenieur und Coach, entwickelt, der die Methoden von Dr. Roger Callahan, dem Begründer der „Thought Field Therapy“, vereinfachte. Craig wollte ein Werkzeug entwickeln, auf das jeder Zugriff hat und das es Menschen ermöglicht, emotionale Probleme in ihrer Welt unabhängig zu lösen. Dies führte zur Entwicklung einer Methode, die derzeit international im Einsatz ist.

Man konzentriert sich auf ein belastendes Gefühl oder eine Erinnerung und klopft bestimmte Punkte am Körper, das sogenannte Klopfen.

Der Prozess ist einfach:

1. Man wählt ein Thema oder Gefühl (z.B. Angst, Stress, Wut).

2. Man bewertet die Intensität auf einer Skala von 0 bis 10.

3. Man spricht eine sogenannte „Setup-Affirmation“, z.B.: „Auch wenn ich diese Angst fühle, akzeptiere ich mich so, wie ich bin.“

4. Während man weiterhin über das Thema spricht, klopft man auf verschiedene Punkte vom Scheitel über die Augenbrauen bis zum Schlüsselbein.

5. Nach einer oder mehreren Runden überprüft man, ob sich etwas verändert hat. Schon diese bewusste Pause, das „bei sich selbst einchecken“, kann enorm wohltuend sein. EFT gibt uns einen Rahmen, eine konkrete Handlung, um bewusster mit Emotionen umzugehen.

Warum EFT hilft und warum das nicht der entscheidende Faktor ist.

Ob EFT funktioniert, weil das Klopfen über die Meridiane etwas im Energiesystem verändert, oder weil wir uns ehrlich mit unseren Gefühlen auseinandersetzen, wissen wir (noch) nicht sicher.

Aber vielleicht ist das gar nicht so wichtig. Denn was EFT definitiv tut, ist: es bringt uns ins Fühlen. Es schafft eine Pause im Gedankenkarussell. Es hilft, wahrzunehmen, was überhaupt da ist. Und das ist genau der Kern vieler therapeutischer Ansätze, sei es in der Psychotherapie, Meditation oder Körperarbeit.


Zwischen Skepsis und Offenheit

EFT ist für mich keine Zauberei und kein Ersatz für Psychotherapie. Aber es ist ein Werkzeug, das wir in unseren Alltag integrieren können, einfach, zugänglich und oft überraschend effektiv. Je nach Thema und Hintergrund kann auch professionelle Begleitung wichtig sein. Denn tiefes Fühlen, echtes Verstehen und nachhaltige Veränderung erfordern oft mehr als eine Technik.

Fazit

EFT ist kein Allheilmittel, aber ein wertvolles Werkzeug zur Selbstregulation. Es hilft, Gefühle bewusst wahrzunehmen und mit ihnen in Kontakt zu treten, und genau darin liegt seine Stärke.

„Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ist ein Ozean.“

Isaac Newton

 
 
 

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